Routenplanung.


Manchmal erscheint es einem nur so, als befinde man sich am Ende der Welt. Manchmal hat man damit recht.
(Halbinsel Maina, Griechenland, 2003.)

Der Weg ist das Ziel. An dieser alten Weisheit ist viel Wahres dran, vor allem, wenn man mit dem Bulli einen erholsamen und entspannten Urlaub erleben will.

Viele Wohnwagen- und Wohnmobilbesitzer warten schon am letzten Schultag mit laufendem Motor auf ihre Kinder vor der Schule, um sich auf die Autobahn zu begeben und dann nach Stunden im Stau und Streß das Ferienziel zu erreichen. Klar, daß sie die ersten paar Urlaubstage brauchen, um sich von der Reise zu erholen.

Die Bulli-Philosophie ist eine andere: Der Urlaub beginnt mit der ersten Minute, oder jedenfalls dann, wenn man den Stadtverkehr des Heimatortes hinter sich gelassen hat und über beschauliche Landstraßen dem Reiseziel entgegenrollt.

Autobahnen?

Ja, schön, statistisch gesehen passieren dort weniger Unfälle (über die Schwere reden wir aber nicht, oder?) und man kommt schneller von A nach Z. Daß zwischen A und Z allerdings auch noch B, C, D u.s.w. liegen, kriegt Ihr auf der Autobahn nicht mit. Dank immer höheren Lärmschutzwänden merkt Ihr vermutlich nicht einmal, ob ihr gerade an einem kotzhäßlichen Industrieort oder einer malerischen Stadt mit mittelalterlichem Ortsbild vorübergefahren seid. Schade!

Versteht mich nicht falsch: Autobahnen und Schnellstraßen sind eine tolle Sache... - weil sie nämlich Branko S. in seinem BMW auf der Fahrt von Hamburg nach Skoplje, Kalle im Mercedes-Wohnwagen-Gespann auf dem Weg nach Jesolo und Ivan im 40-Tonner auf der Tour nach St.Peterburg von den Nebenstraßen fernhalten, die dadurch EUCH gehören. Darin sehe ich aber auch schon ihren ganzen Nutzen. Sicherlich, das ist eine sehr persönliche Meinung, und es kommt immer darauf an, ob Ihr unterwegs überhaupt etwas sehen wollt. Wenn ich aber an all das denke, was ich in vielen Jahren Bulli-Urlaub abseits der Hauptstraßen und Autobahnen an schönen Landschaften und Sehenswürdigkeiten gesehen habe, kann ich diese Art zu reisen nur empfehlen.

Routenplaner?

Im elektronischen Zeitalter gibt es jede Menge Hilfsmittel zur Planung einer Reise, sowohl als Programme zum Herunterladen als auch Online auf verschiedenen Webseiten. Meiner Erfahrung nach können alle diese Möglichkeiten eine gute Landkarte und einen (oder mehrere) Reiseführer nicht ersetzen.

Pausen?

Die Zeit, die man durchgehend unterwegs ist, ist ein entscheidender Faktor für den Erholungswert einer Reise. Ich empfehle Etappen zwischen einer und maximal - allerhöchstens! - drei Stunden. Ist man mit Kindern unterwegs sollte die Höchstdauer zwei Stunden betragen, es sei denn, der Nachwuchs schläft friedlich.

Ich plane meine Routen meist in drei Schritten:

1.) Fixpunkte bestimmen. Vielleicht sind gewisse Stationen der Reise vorgegeben, entweder weil man von vornherein weiß, daß man bestimmte Sehenswürdigkeiten besuchen will, oder weil man einen Besuch bei Freunden eingeplant hat. Diese Punkte markiere ich mir (im Gedanken oder mit Bleistift) auf der Karte und suche mir die kürzeste Verbindung zwischen allen markierten Punkten.

2.) Varianten suchen. Anschließend prüfe ich für jeden einzelnen Streckenabschnitt die möglichen Varianten. Was gibt es entlang der einzelnen Strecken zu sehen? Kenne ich die Route, weiß ich unter Umständen schon, wo es gute Rast- oder Übernachtungsplätze gibt? Welche Variante ist bei welchem Wetter besser? Bei strömendem Regen hat eine Fahrt über die Panoramastraße wenig zu bieten, da wäre eine Tunnelvariante vorzuziehen. Die verschiedenen Vorzüge und Nachteile einer Strecke kann man sich schon jetzt notieren. Was gibt es entlang welcher Route zu sehen oder zu tun? Bei Badewetter finden sich an der Küstenstraße unter Umständen kleine Buchten, die zum Schwimmen einladen; bei Schlechtwetter ist vielleicht das Bergwerksmuseum im Landesinneren einen Besuch wert...

3.) Spontane Entscheidungen. Trotz aller Planung (oder gerade deshalb) ergibt sich die eigentliche Reiseroute schlußendlich recht spontan. Ein anderer Übernachtungsplatz wird gewählt, weil man eigentlich zu müde zum Weiterfahren ist; ein Punkt, den man besichtigen wollte, fällt aus, weil der Junior im Kindersitz todmüde und gerade eingeschlafen ist und man ihn nicht wecken möchte, und das Museum ist geschlossen. Mithilfe der Notizen, die man sich schon vor der Reise gemacht hat, ist es kein Problem, hier spontan umzuplanen.