
Verlockend ist der Gedanke ja schon... man fährt die Nacht durch und gewinnt somit einen Tag am Urlaubsziel. Falsch, falsch und nochmal falsch. Nach einer anstrengenden Nachtfahrt kann man den nächsten Tag, den man vermutlich halb tot damit verbringt, sich zu erholen, nicht wirklich als "gewonnen" bezeichnen.
Nachtfahrten bergen Risiken - egal, wie man es dreht und wendet. Auf Autobahnen (die ich sonst nicht empfehle, aber nachts sieht man ja sowieso nichts) ist wegen der Eintönigkeit die Gefahr des Sekundenschlafes nicht zu unterschätzen. Auch Geisterfahrer sind besonders nachts sehr entgegenkommend - statistisch sind bei Dunkelheit wesentlich mehr Autofahrer verkehrt herum unterwegs als tagsüber. Auf Landstraßen habt ihr erfahrungsgemäß eine ungefähr dreimal so hohe Chance, einen Wegweiser zu übersehen und Euch zu verfahren. Außerdem sind in manchen Ländern auch heute noch Radfahrer ohne Licht, Pferdefuhrwerke und Traktoren unterwegs, die man im letzten Moment erst bemerkt. Der Adrenalinspiegel steigt... - und damit auch der Streß.
Wenn Ihr nicht die ganze Nacht durchfahren wollt (oder mitten in der Nacht feststellt, daß Ihr einfach nicht mehr könnt) taucht zudem das Problem auf, eine geeignete Übernachtungsmöglichkeit zu finden. Um zwei Uhr früh seid Ihr in keinem Privatquartier, Hotel oder auf keinem Campingplatz dieser Welt willkommen. Direkt am Straßenrand parkend werdet Ihr durch den Lärm und die Scheinwerfer der vorbeifahrenden Autos sicher keinen geruhsamen Schlaf finden. Und an dem kleinen Waldweg, auf dem Ihr ungesehen und ungestört ausschlafen könntet, seid Ihr im Dunkeln längst vorbeigefahren.
Der Versuch, in finsterster Nacht solche kleinen Waldwege zu erkunden, kann schon einmal mit gefährlichen Situationen enden: Wenn der Weg als Sackgasse endet im Dunkeln auf einer schmalen Bergstraße ohne Leitplanken zurücksetzen zu müssen ist sicher nicht jedermanns Sache.
Natürlich gibt es schon Situationen, in denen Nachtfahrten (oder Fahrten bei Dunkelheit) angebracht sind: Mancherorts in Europa gibt es Gegenden, wo man lieber nicht anhalten möchte... - am Landweg nach Griechenland wird die Aussicht, gegen zwei Uhr Früh den Grenzübergang zu erreichen, vermutlich verlockender sein als eine Übernachtung im Kosovo. Kennt man bereits einen guten, erprobten Übernachtungsplatz, so kann man auch einkalkulieren, diesen erst nach Einbruch der Dunkelheit zu erreichen.
Weil es einem aber immer passieren kann, daß man von der Dunkelheit überrascht wird, gehören verschiedene Ausrüstungsgegenstände auf jeden Fall immer in den Bulli.