
Ein Stück vom Paradies. Griechenland ist schon seit langem eines der beliebtesten Reiseländer Europas, und dementsprechend überlaufen sind manche Gebiete. Schon ab Anfang Juni nimmt die Zahl der Touristen eklatant zu, in der Hauptsaison Juli/August glaubt man überhaupt, sich in Deutschland zu befinden, wenn man sich die Kennzeichen der Autos ansieht. Trotzdem findet man, abseits der Touristenströme, noch die einsamen Bergdörfer, das ursprüngliche Griechenland. Man muß nur die Augen offen halten und dorthin fahren, wo einen die Wegweiser NICHT hinschicken. Gut ausgeschilderte Strände - vor allem, wenn auf den Wegweisern nicht mehr auf griechisch "Paralia", sondern bereits "Beach" und "Strandtaverne" stehen - sind immer überlaufen. Im Internet gibt es keine "Geheimtips"!!! Wenn Ihr auf einer Webseite von der "einsamen, menschenleeren Bucht" lest, so findet Ihr diese vielleicht noch Ende Mai vor, im Juli oder August trefft Ihr dort auf die Leute, die die gleichen Webseiten besuchen wie Ihr. (Auch nett... oder?)
Übernachten: Abseits von Campingplätzen ist das hier verboten. In den letzten Jahren wird das auch immer strenger kontrolliert. Wenn die Einheimischen vor lauter Wohnmobilen nicht mehr zu ihrem eigenen Strand in der Bucht, in der sie wohnen, gehen können, ist es verständlich, wenn sie die E.A. (Elliniki Aftonomia = Polizei) rufen. (Die von sich aus kaum aktiv wird.)
Campingplätze haben noch lange nicht mitteleuropäischen Standard, obwohl Ihr auf immer mehr Plätzen Stromanschluß, Entsorgungsmöglichkeiten und sonstige Annehmlichkeiten vorfindet. Richtwert für den Preis: Günstig sind für 2 Personen+Bus etwa 14 €, nach oben gibt es aber auch Schwankungen bis 20€.
Ihr KÖNNT wild campen. Außerhalb der Touristengebiete, auf einer
Schotterstraße in den Bergen hoch über Delphi immer und zu jeder
Jahreszeit. Vorsicht jedoch nahe der albanischen Grenze (z.B. Vikos-Aon-Nationalpark);
nicht in einsamen Gebieten übernachten, besser zu anderen Campern dazustellen.
Uns wurde von nächtlichen bewaffneten Überfällen erzählt.
Rastplätze mit kleinen Pavillons, wie es sie häufig an Überlandstraßen
gibt, sind nachts Liebesnester, hier ist man sicher nicht ungestört! Auch
wenn Ihr beim Inspizieren des beabsichtigten Platzes Gummis findet, solltet
Ihr hier nur bleiben, wenn ihr nicht schlafen wollt und voyeuristisch veranlagt
seid.
An der Küste wird beim Wildcampen in der Vorsaison von der E.A. nicht eingeschritten
- solange es nicht überhand nimmt. Wie so oft gilt, daß Euch niemand
verjagen wird, wenn sich niemand gestört fühlt. Uns wurde auch schon
berichtet, daß die E.A. in der Vorsaison nur darauf achtet, daß
kein Müll hinterlassen und niemand gestört wird.
Auf unserer Reise 2003 Ende Mai / Anfang Juni waren wir nur ein einziges Mal auf einem Campingplatz. Und das nur, weil wir einen Stromanschluß zum Laden unserer Video-Akkus gebraucht haben.

Straßenzustand und Orientierung: Der Ausbau der Straßen in Griechenland, vor allem gefördert von der EU, schreitet rasch voran. Unter Umständen findet Ihr mitten in der Einöde ein Autobahnstück, wo Ihr es nicht erwartet. Bei unserer Reise 2003 stießen wir z.B. auf eine bereits fertiggestelltes Teilstück der Egnatia Odos (Autobahn Igoumenitsa-Thessaloniki), das auf beiden Seiten nur an unwichtige Nebenstraßen einen Anschluß hatte. Übrigens: Das Schild "Unbeaufsichtigtes Weidevieh" gehört eigentlich an der griechischen Grenze aufgestellt. Zusatztafel: "Entire Country". Auch auf Schnellstraßen gibt es keine Garantie, daß nicht Schafe weiden!
Um Nebenstraßen zu fahren (und das solltet Ihr, um auch versteckte Ziele zu finden!) braucht Ihr eine sehr gute Landkarte. Die besten sind unserer Erfahrung nach die Blätter der mehrteiligen Karte der Road Editions im Maßstab 1:250.000 . Aber auch die ist natürlich nicht fehlerfrei und voller Tücken. Kleine Orte sind nur als Punkt eingetragen, in Wirklichkeit erstrecken sie sich aber einen Kilometer weit entlang einer Straße. Hier zu erraten, ob eine Abzweigung vor oder nach einem Ort ist, oder gar mittendrin, ist schwer. Ihr müßt bei diesen Straßenkarten auch sehr genau hinsehen: Wenn zwei Straßen, die von verschiedenen Seiten zu einer Bucht führen, auf der Karte durch einen zwei Millimeter breiten Abstand getrennt sind, so werdet Ihr unter Umständen in der Realität feststellen, daß sie tatsächlich nicht verbunden sind - die eine am oberen Ende einer Klippe endet, die andere in der Bucht darunter!
Auf diesen Karten sind auch Schotterstraßen eingezeichnet. Das Problem dabei ist nur, daß es in der Realität wesentlich mehr geschotterte Wege gibt, als eingetragen. Hier steht Ihr vor dem Problem zu erkennen, daß die breite, ausgefahrene Straße nach links nur zu einem Steinbruch führt (wo aber viele LKWs fahren), der schmale Weg nach rechts aber die auf der Karte eingetragene Verbindung in den nächsten Ort ist. Wir empfehlen das Fahren von Schotterstraßen nur, wenn Ihr entweder eine genaue Bechreibung habt, wo es lang geht, wenn Wegweiser aufgestellt sind, oder wenn Ihr besonders wagemutig seid und Euer Auto um jeden Preis ruinieren wollt.
Ortsschilder und Wegweiser sind völlig uneinheitlich - vom autobahnähnlichen
Überkopfwegweiser an der Abzweigung zweier Nebenstraßen am Pilion
bis hin zum händisch auf Preßspanplatte gemalten, an eine Hauswand
gelehntenSchild - , fehlen, oder sind nur aus einer Richtung sichtbar. Oft sind
ferne Ziele angegeben, wo man es nicht erwartet.
Grundkenntnisse der griechischen Schrift sind unumgänglich, nicht alle
Wegweiser und Ortschilder in Transskript.
Endungen und Schreibweise von Ortsnamen oft willkürlich; drei verschiedene
Schreibweisen keine Seltenheit!
Auf nagelneuen Straßen besondere Vorsicht! Oft halbe Straße abgerutscht
oder Schlaglöcher oder Steine auf Fahrbahn, wo man es nicht vermutet! Straßenzustand
unberechenbar; breite Autostraßen setzen sich oft als "Feldweg"
fort!
Autobahnen sind in Griechenland mautpflichtig - allerdings nach einem chaotischen,
typisch griechischen System. Es sind nicht an allen Zu-und Abfahrten Mautstellen
eingerichtet, sodaß man tatsächlich für die gefahrene Strecke
bezahlt, sondern irgendwo auf offener Strecke gibt es plötzlich eine Mautstelle,
wo man bezahlt - egal, ob man erst bei der letzten Auffahrt aufgefahren ist
und bei der nächsten wieder abfährt, oder ob man schon längere
Zeit auf der Autobahn fährt.
Auf guten Karten sind diese Mautstellen eingezeichnet, man kann sie somit unter
Umständen umfahren und nur dort die Autobahnen benutzen, wo keine Maut
verlangt wird.
Einkaufen: Man sollte große Supermärkte nutzen, auch wenn noch kein unmittelbarer Bedarf besteht. In kleinen Supermärkten ist das Angebot meist sehr beschränkt und teuer! Brot gibt es meist nur beim Bäcker, deshalb sollte man es auf Vorrat kaufen. Lokale Spezialitäten (Wein, Oliven etc.) dort kaufen, wo sie angeboten werden; in anderen Landesteilen u.U. nicht erhältlich.
Bargeld immer in ausreichender Höhe abheben, Bankomaten sind in entlegenen Gegenden kaum vorhanden. Übrigens bekommt man dort praktischerweise keine größeren Scheine als 50er, da sie sowieso keiner wechseln kann.

Wasserversorgung: Wasserreichtum und -qualität sind stark unterschiedlich. Wasserreiche Gebiete findet man leicht auf der Landkarte; wo keine Flüsse entspringen, gibt es auch kaum Wasser. In den Bergen gibt es oft innerhalb weniger Kilometer drei Wasserstellen mit ausgezeichnetem, kristallklarem Quellwasser; in der Ebene rinnt nur scheußliches, stark gechlortes Wasser aus dem Hahn. Hier zum Trinken besser auf Wasser in Flaschen ausweichen. Wer im Vikos-Gebirge Wasser aus Flaschen trinkt, ist selber schuld; das Wasser aus den hiesigen Quellen wird in Flaschen gefüllt und in Athen verkauft.
An vielen Wasserstellen lassen sich nur Kanister füllen, aber kein Schlauch
anschließen! Oft sind diese Wasserstellen gleichzeitig Viehtränken
und dementsprechend verschmutzt, man sollte sich aber nicht abschrecken lassen:
Das Wasser selbst ist meist okay. Wenn Einheimische anhalten, um leere Plastikflaschen
zu füllen, kann man das Wasser bedenkenlos trinken. Wer immer noch Zweifel
hat, sollte ein paar Tabletten Mikropur mitnehmen.
Treibstoff: Billige Tankstellen sollte man auch dann anfahren, wenn noch keine dringende Notwendigkeit besteht. Die Tankstellendichte ist sehr unterschiedlich; selbst in Randgebieten findet man oft in jedem Kaff zwei Tankstellen, dafür kann es auch sein, daß man (z.B. in den Bergen an der Hauptstrecke Kalambaka - Ioanina) für fünfzig Kilometer keine einzige Tankstelle findet.
Es bestehen starke regionale Unterschiede beim Treibstoffpreis. Billige Gegenden sind z.B. Volos oder Patras; teuer: Süd-Peloponnes, Igoumenitsa (da hier sowieso jeder vor der Rückfahrt nach Italien noch mal volltankt), und der Pilion. Auch innerhalb eines Gebietes gibt es oft innerhalb weniger Kilometer große Unterschiede. Internationale Marken (BP-Solaris, EKO/Esso, Shell) nehmen meist Kreditkarten, sind dafür aber im Durchschnitt teurer! Auch dort, wo Kreditkarten angeschrieben sind, werden sie oft nicht wirklich angenommen.
Sehenswürdigkeiten: Große Sehenswürdigkeiten sind oft überteuert und überlaufen. Für die Ausgrabung von Dodona mit einem gut erhaltenen Theater zahlt man 2 Euro, weil es weit vom Schuß liegt. Für Mykaene muß man schon mal sechs Euro berappen und latscht mit Kolonnen von Neckermännern durchs Gelände.
Wenn man Fotos machen will, sollte man bei ausnahmslos allen Ausgrabungen gleich in der Früh da sein! Erstens ist es noch nicht so heiß, zweitens sind da weniger andere Leute im Bild.

Reisetips und Beschreibungen im Internet sind immer mit Vorsicht genießen, da oft schlecht recherchiert - da gibt es genug Leute, die nicht einmal den Unterschied zwischen Platanen und Eukalyptus kennen...
Augen offenhalten nach "kleinen" Sehenswürdigkeiten, die oft nicht im Reiseführer stehen, z.B. einen alten Friedhof auf der Mani, oder ein malerisches Bergdorf, schöne Landschaften, nicht näher beschriebene Ausgrabungen (beachtet die braunen Wegweiser und Schilder!) etc.
Die diversen Sehenswürdigkeiten haben zum Teil völlig unterschiedliche
Öffnungzeiten, z.B. sind manche der Meteora-Klöster schon um 15h geschlossen,
andere haben Mittagspause, wieder andere sind an bestimmten Wochentagen zu.
Sonstiges:
Feiertage wie Ostern und Pfingsten sind nach dem orthodoxen Kalender eine Woche
später als bei uns!
Für Schnorchler: Die Unterwasserfauna ist am Peloponnes und auf den Inseln
im Allgemeinen sehr schön, aber dort, wo starke Brandung herrscht (z.B.
Pilon Außenseite) uninteressant. Am schlimmsten war es im Gebiet südlich
von Igoumenitsa. Hier war unter Wasser absolut tote Hose! Uns wurden als Ursachen
sowohl die Wellen der dutzenden täglichen Fährschiffe als auch der
Umstand genannt, daß hier bis vor kurzem angeblich mit Dynamit gefischt
wurde.
Bei Fähren bestehen große preisliche Unterschiede zwischen staatlich
und privat. Staatliche Fähren - z.B. Aigion-Ag.Nikolaos - sind wesentlich
billiger.
Mit Kindern Vorsicht auf Spielplätzen! Meist sind diese sehr verwahrlost:
Glassplitter, Müll, defekte Spielgeräte, Disteln, bei Abhängen
keine Einfriedung - nicht unbeaufsichtigt lassen, oder vorher genau ansehen!
Propangas-Euroflaschen sind in Griechenland kaum erhältlich.