Montenegro 2004: Anreise.

1. Tag (Samstag, 28.8.2004), Reise-km. 0 - 117

Heuer haben wir und sehr kurzfristig entschlossen, Urlaub zu machen - in Montenegro. Marcus war vor dem Krieg ein paarmal dort, für Romy ist das Land bisher ein weißer Fleck auf der Landkarte. Während Martin bei der Oma ist, erledigen wir noch schnell die nötigsten Arbeiten - Ich mache die Campingbus-Einrichtung fertig, Romy näht den letzten Vorhang, der in der Nacht die Windschutzscheibe abdecken soll.

Erst gegen 20h brechen wir von Wien auf - dafür ist praktisch kein Verkehr mehr auf den Straßen. Bereits im Dunkeln passieren wir Wiener Neustadt. Martin schläft bereits fest, als wir uns auf einem von einem Wanderausflug letztes Jahr bekannten Schlafplatz auf dem Feistritzsattel an der Grenze zur Steiermark einparken.

2. Tag (Sonntag, 29.8.2004) Reise-km. 117 - 551

Nach relativ kühler, aber nicht zu kalter Nacht brechen wir noch vor dem Frühstück auf - auf 1200m Höhe ist es uns zum Picknicken doch etwas zu frostig. Romy und Martin kuscheln noch auf der Liegefläche, während ich vorsichtig bergab fahre. In dieser kalten Gegend ist jeder sonnige Flecken von einem Gehöft "belegt", sodaß wir über Anger und Stubenberg Richtung Ilz weiterfahren. Erst nach einer guten Stunde finden wir einen Platz bei einer Kapelle am Beginn der "Route 66", der Bundesstraße 66. Vor vielen Jahren haben Susi und ich hier auf dem Weg nach Jugoslawien schon einmal gerastet. Jetzt knurrt uns schon der Magen, und wir lassen es uns schmecken. Dann nehmen wir das lanschaftlich schöne Stück nach Bad Radkersburg unter die Räder, wo wir nach Slowenien einreisen. Auf dieser Route ist das kleine, neue EU-Land rasch durchquert. Kurz vor dem Grenzort Ormoz nehmen wir eine falsche Abzweigung, was uns einen schattigen Mittagsrastplatz in einem Wäldchen finden läßt.


Martin genießt das Leben im Bulli.

Nachdem wir Suppe gekocht und die Wurstfleckerln verdrückt haben, die uns die Oma vorgekocht mit auf die Reise gegeben hat, reisen wir nach Kroatien ein. Die folgenden Kilometer ziehen sich furchtbar; Dorf reiht sich an Dorf, und mehr als 50 km/h Spitze sind nicht drin. Vor Zagreb dann auch noch eine Umleitung, und schließlich landen wir unfreiwillig auf der Autobahn nach Karlovac. Bis Karlovac geht es zügig dahin, nur mehr als 80 sind nicht drin, weil der Motor heiß wird - dank neu eingebautem Ölthermometer merke ich das zum Glück rechtzeitig. Bei der Mautstelle stuft man uns natürlich wieder als Kleinbus ein, was 29 statt 16 Kuna bedeutet - Wucher! Auf der alten Bundesstraße geht es weiter Richtung Split. Seit Eröffnung der Autobahn ist hier zum Glück viel weniger los als früher. In der Gegenrichtung kommt uns dennoch eine unaufhörliche Kolonne von rückreisenden Urlaubern entgegen. Auf einer Forststraße kurz vor Slunj rasten wir wieder und finden Unmengen an Brombeeren - gerade Richtig für ein vitaminreiches Fruchtjoghurt zur Jause. Martin beteiligt sich fleißig an der Suche, und ich finde die Ursache für den heißen Motor: Ein Putzlappen, den ich offenbar bei den letzten Arbeiten vor der Abreise im Motorraum vergessen habe, hat sich in die Lamellen des Lüfterrades gewickelt.

Martin will schon unbedingt zum Meer. Als wir ihm erklären, daß das noch etwas dauert, will er zu Fuß loslaufen. Schließlich, gegen 19.15h fahren wir die letzten paar Kilometer zu unserem heutigen Etappenziel: Dem Campingplatz bei den Plitvicer Seen. Das Camp "Korana" kennen wir schon von früher, und am Abend kommen wir auch noch mit einem netten, bayrischen Bullifahrerehepaar (T2 bj. 72) ins Gespräch, die uns auf ein Bier einladen. Um 22h fallen wir dann müde nach einem reinen "Fahrt-Tag" ins Bett!

3. Tag (Montag, 30.8.2004) Reise-km. 551 - 991

Am Morgen ist das Wetter trüb, sodaß wir auf die geplante Besichtigung der Plitvicer Seen verzichten. Wir packen zusammen, dann geht es auf der Hauptstraße ein Stück weiter bis Bijelo Polje, wo wir die Nebenstraße nach Donji Lapac nehmen. So kommen wir in den Genuss unserer ersten Schotterstraße heuer. 13 Kilometer ist die Piste lang, dann folgt eine unerwartet gute Asphaltstraße, auf der wir nahe der bosnischen Grenze weiterfahren. Über das Geisterdorf Srb fahren wir nach Knin, wo wir kurz stehen bleiben, um in einem kleinen Supermarkt einzukaufen. Auf der Suche nach einem Rastplatz für das Mittagessen finden wir einen traumhaften Bade- und Rastplatz am Perucko Jezero, wo wir im Schatten eines Baumes mittagessen. Anschließend gehen Romy und ich schwimmen, und Martin traut sich nach einiger Überredung sogar bis zum Bauch ins klare, aber angenehm warme Wasser!


Der Stausee Perucko Jezero ist Naturschutzgebiet; Baden ist dennoch erlaubt - und lohnend!

Wetter geht es über Sinj Richtung Split. die Abzweigungen auf die Straße Nummer 62 verpasssen wir und landen über einen Autobahnzubringer direkt auf einer Stadtautobahn, dann auf der Küstenstraße, die hier durch ein Dorf nach dem anderen führt. In Omis, herrlich gelegen an der Mündung der Cetina ins Meer und von einer Burgruine überragt, reicht es uns und wir fahren auf einer Nebenstraße entlang der Cetina durch deren wilde Schlucht. Nach der Jause, an einer Nebenstraße vor Zagvozd, macht Romy mit Martin einen kleinen Spaziergang und sie sichten einen Esel und mehrere Hühner. Martin geht die ganze Strecke bis ins nächste Dorf zu Fuß. In der festen Überzeugung, in Ploce einen Campingplatz zu finden, fahren wir schon in der Abenddämmerung weiter hinunter an die Küste. Doch weit und breit kein Campingplatz - nur Vorwegweiser eines Platzes bei Dubrovnik! Es ist schon stockdunkel, als wir über die Korridorstrecke durch Bosnien weiterfahren. Endlich entdecken wir ein Autocamp direkt an der Küstenstraße - laut, schmutzig, aber billig. Für einen Nacht gerade richtig.

4. Tag (Dienstag, 31.8.2004) Reise-km. 991 - 1287

Eigentlich hatten wir eine Besichtigung von Dubrovnik geplant, doch der Stadtverkehr ist entsetzlich, die Parkplätze - obwohl gebührenpflichtig - alle voll, und so flüchten wir so schnell es geht wieder aus der Stadt. Nach wenigen Kilometern sind wir an der montenegrinischen Grenze. Hier geht es noch ein wenig rustikaler zu als an den mittlerweile gewohnten mitteleuropäischen Grenzen. Ein Deutscher vor uns darf nicht einreisen, weil seine Versicherung hier nicht gilt. Auch die Frage (durch eine Zöllnerin n hübscher Uniform) "anything to declare?" hat man an anderen Grenzen schon lange nicht mehr gehört. Wir bekommen einen Stempel in den Paß wie zu Zeiten Jugoslawiens, dann dürfen wir weiterfahren.

Unser erster Eindruck von Montenegro: Schilder in kyrillischer Schrift (der Großteil ist allerdings in Latein), alles wirkt weniger "westlich", es gibt nicht so viele Touristen, und die sind offensichtlich Landsleute.
In Budva erleben wir eine Verkehrskontrolle der skurrilen Art: Ein Polizist hält und auf, fragt "Kako Šte?" (Wie geht es?) Als Romy "Hvala, dobro" antwortet, meint er "Dobro", und deutet uns, weiterzufahren.
Bei Kostanjica in der Bucht von Kotor finden wir einen öffentlichen Strand, wo wir sogar den Bus im Schatten parken können, und gehen zum ersten Mal im Meer schwimmen; Martin schmeißt Steine ins Wasser und traut sich dann sogar wieder bis zum Bauch ins Meer. Nur das Abduschen unter der kalten Dusche behagt ihm so gar nicht. Am Nachmittag fahren wir weiter nach Kotor, wo wir die alte Straße nach Cetinje nehmen wollen. Doch nach der dritten Kehre stoppt uns die Feuerwehr, die hier offenbar irgendwelche Aufräumungsarbeiten durchführt. Wir müssen umkehren und disponieren um. In Ulcinj soll es einen langen Sandstrand geben - ideal für Martin?


Die von einer gewaltigen Felskulisse eingerahmte Bucht von Kotor wurde von der UNESCO zum Weltnaturerbe erklärt

Wir umrunden das restliche Stück der Bucht von Kotor auf einer schmalen Straße durch die Dörfer (dabei sehen wir einen kleinen, privaten Campingplatz, auf den wir später nochmal zurückgreifen werden) und nehmen dann die Küstenstraße hinunter nach Ulcinj, nahe zu Albanien. - In der Stadt angekommen fragen wir uns, ob wir nicht bereits unbemerkt die Grenze dorthin überquert hätten: Ein Nest mit schlimmstem Dritte-Welt-Ambiente: heruntergekommen, schmutzig, verfallene Häuser, ein in die Jahre gekommener "Luna-Park", Bettler auf den Straßen und Nutten am Straßenrand. Wir wenden uns mit Grausen - und kommen erst einmal bis kurz vor Bar. Plötzlich riecht es "brenzlig", aus dem Armaturenbrett steigt Rauch: Kurzschluß und Kabelbrand. Ich flicke die Drähte notdürftig zusammen, und wir erreichen schon bei Dunkelheit den Campingplatz in Buljarica. Der Platz hat Ostblockniveau, aber immerhin Stromanschluß. Um 3h früh gehe ich auf "Großwildjagd" und erlege drei Gelsen, die uns zerstochen und gequält haben.

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