Griechenland 2003: West-Peloponnes.

5. Tag (Donnerstag, 29.5.2003) - km. 96871


Im Inneren der Festung von Patras liegt ein Ort der Ruhe voller Blumenpracht

Um Viertel Sechs weckt uns die unverständliche Lautsprecherdurchsage - dabei hätten wir noch sicher eine Stunde weiter schlafen können. Wir stellen uns als drittes Auto in die Schlange vor der Rampe und sind dementsprechend früh an Land. Patras hat sich wenig verändert. Auf kürzesten Weg fahre ich zum Burgberg, habe einen Beinaheunfall und ein heftiges Wortgefecht mit einem Moped (wie gut wenn man griechische Schimpfwörter kennt) und parke schließlich mit Blick auf das Häusermeer, wo wir mal in Ruhe frühstücken. Dann besichtigen wir die Festung. Uns beeindrucken weniger die Ruinen als die hübschen Pflanzen in Inneren, und Martin sieht seine erste Palme.


Schirmpinien im Küstenwald von Kalogria

Wir kaufen noch Brot in Patras, dann fahren wir weiter entlang der Küste über Araxas nach Kalogria. Die dortige Landschaft und Flora ist einzigartig; riesige Wälder aus Schirmpinien stehen inmitten einer Dünenlandschaft. Hier machen wir Mittagsrast, unter einer großen Schirmpinie voller Vogelnester läßt sich sogar die Hängematte aufspannen. Martin spielt mit Pinienzapfen, die er in sein Küberl füllt, und wir versuchen vergeblich zu schlafen.

Am vielgeprisenen Strand von Kalogria stehen übrigens schon - trotz Wochentag und Vorsaison - fünf Wildcamper neben einer Taverne. Soviel zu Geheimtips aus dem Internet. Nichts für uns! Als wir weiterfahren, sieht es wieder nach Gewitter aus und ein paar Regentropfen fallen. Wird verzichten auf Olympia und fahren gleich weiter nach Süden. Auf der "New National Road" kommt man ausgezeichnet weiter, ca. 70 km/h Schnitt! Vor Olympia nehmen wir einmal die falsche Straße, dann suchen wir vergeblich ihn Kruonoi nach einer Wasserstelle, von der ich irgendwo im Internet gelesen habe, und fahren dann eine sehr hübsche Bergstraße, an der wir tatsächlich eine Wasserstelle finden. Hier werden alle Kanister aufgefüllt und nach erholsame Pause geht es weiter zurück an die Küste, wo wir schließlich einen einsamen Übernachtungsplatz an einem weitläufigen Strand bei Kalo Nero finden. Martin kommt hier endlich zum Sandspielen, und wir sehen einen schöneren Sonnenuntergang über dem Meer.

6. Tag (Freitag, 30.5.2003) km. 97074

In der früh wachen wir einmal vor unserem Kind auf; ein Auto von Schildkrötenschützerinnen stört unsere Gemütlichkeit, aber dann können wir doch noch in Ruhe frühstücken, bevor wir wie üblich gegen 9:00 Uhr weiterfahren. Wir kaufen in Filiatra Lebensmittel ein und fahren dann weiter zum Palast des Nestor. Dieser ist sein Eintrittsgeld nicht wert, das naheliegende Tholosgrab, das frei zu besichtigen ist, beeindruckt uns wesentlich mehr. Auf dem Parkplatz treffen wir bei der Wasserstelle einen Salzburger, der Martin einen Teil seiner Erdbeeren schenkt (er hatte früher auch einen VW-Bus).

Die "Badewanne der Königin" im Palast des Nestor

Der Eingang zum Tholosgrab

Dann fahren wir weiter nach Petrochori zur "Ochsenbauchbucht". Auch hier beeindruckt uns nicht so sehr der Strand (wie aus dem Bilderbuch, aber halt eine Menge anderer Leute) als Flora und (in der Höhle, siehe unten) Fauna. Leider sieht das Wetter schon wieder sehr nach Gewitter aus, dennoch wagen wir den Aufstieg zur Höhle des Nestor. "Außer einer Höhle mit Fledermäusen nichts zu sehen!", hat jemand im Internet geschrieben. Er hatte offensichtlich keinen Handscheinwerfer dabei! Martin ist fasziniert von den Fledermäusen, die im Lichtkegel hin und her huschen, und auch die Tropfsteine sowie die bunt in blau, grün, schwarz, braun und weiß gefärbten Wände sind sehr sehenswert.


Der Eingang zur Höhle des Nestor

Im Licht des Handscheinwerfers zeigt sich erst die Schönheit der Tropfsteine

Am Rückweg hat es uns die Dünenlandschaft angetan; leider haben wir wenig Zeit sie zu genießen, denn es beginnt zu regnen. Wieder nichts mit Baden! Martin schläft jetzt fest ein, noch während wir auf einem Dammweg durch die Lagune von Osman Ata fahren.


Blick auf die Ochsenbauchbucht, im Hintergrund die Lagune
Tip Lagune:
Wenn man von Romanos zur Ochsenbauchbucht fährt, kommt man zu einem großen Parkplatz, an dessen anderem Ende man eine weitere Straße erkennen kann, die über einen schier endlos langen Damm in die Lagune hinausführt. Diese Straße ist mit PKWs und kleinen Bussen fahrbar, etwa in der Mitte gibt es an einer Stelle, an der man nicht umkehren kann, eine Brücke, bei der die Straße zu beiden Seiten schon etwas weggebrochen ist. Mit breiteren Fahrzeugen kommt man hier nicht drüber, auch mit dem Bulli war es schon eine "Zitterpartie". Die Strecke ist landschaftlich sehr lohnend, aber wohl nur etwas für ausgesprochene "Schotterfreaks".

 


Im Gelände der Festung stößt man immer wieder auf Ruinen

Die Festung Methoni bedeckt ein mehrere Hektar großes Areal

Dann geht es weiter nach Methoni, wo wir getrennt die riesige Burgruine besichtigen, weil Martin noch schläft. Erst kurz bevor Romy zurückkommt wacht Martin auf und bekommt eine kleine Stoff-Fledermaus, die er auf Anhieb liebt.


Auf der vorgelagerten Insel haben die Türken einen imposanten Turm errichtet

Ein tiefer Graben trennt die Festung auf der Landseite von der Ortschaft
Tip Methoni:
Die ehemalige venezianische Festung von Methoni bedeckt ein riesiges Areal; zu Fuß geht man von einem Ende zum anderen ca. eine Viertelstunde. Besonders hübsch ist das türkische Türmchen auf dem vorgelagerten Inselchen. Aber auch der Rest der Anlage bietet viel Sehenswertes: Einen gut fünfzig Meter langen, unterirdischen Gang im Bereich der nördlichen Bastei, eine unterirdische Zisterne, ein kleines Kirchlein und vieles mehr. Da man im Inneren der Ruine in der prallen Sonne eine weite Strecke gehen muß, empfehlen sich für die Besichtigung die kühleren Morgen- oder Abendstunden. Der Eintritt ist frei.

Wir fahren weiter, auf der Suche nach einem Schlafplatz. Eine vielversprechende Straße in eine einsame Bucht endet leider bei einer schlammigen Furt, sodaß wir umkehren. Schließlich fahren wir zum südlich von Vasilitsi bei Faneromeni gelegenen "Wildcamperparadies", wo wir in ausreichendem Abstand von zwei deutschen Wohnmobilen am Strand parken. Ein Bayer mit einem Ex-Heeressanitäts-LKW plaudert noch kurz mit uns, dann gehen wir bald nach dem Abendessen schlafen.

Tip Faneromeni:
Auch wenn man nicht hier über Nacht bleiben will, bietet sich für "Abenteuerlustige" ein Besuch des Strandes mit dem seit dem Jahr 2000 auf Grund liegenden Schiffswrack an. Man sollte aber auch größere Kinder nicht unbeaufsichtigt darauf herumklettern lassen. Der ehemalige russische Frachter bietet eine Menge zu entdecken und erforschen. Vorsicht, besonders die Holzplanken im mittleren, ständig vom Wasser benetzten Teil des Schiffes sind extrem rutschig.
In dieser Bucht gibt es im nördlichen Teil direkt oberhalb des Strandes einen Wasserhahn, wo man sich mit Süßwasser waschen kann. Die Straße nach Faneromeni ist etwas schwierig zu finden; in Vasilitsi gibt es keinen Wegweiser, aber auf einem Schild, das zu Appartements weist, kann man den Ortsnamen Faneromeni entziffern, sofern man sich zuvor ein wenig mit griechischen Buchstaben vertraut gemacht hat.

 

7.Tag (Samstag, 31.5.2003) km. 97206


Das Schiffswrack am Strand von Faneromeni

Gleich nach dem Frühstück beschließen wir, das in der Bucht auf Grund liegende Schiffswrack zu erforschen. Man kann auf dem sandigen Grund durchs brusthohe Wasser dorthin waten.

Am späten Vormittag geht es dann weiter. Die Abzweigung zur Festung von Koroni verpassen wir und wollen nicht mehr zurückfahren, darum geht es gleich weiter nach Kalamata, wo wir in der Straße neben dem Stadtpark, dem ehemaligen Bahnhof und heutigen Eisenbahnmuseum, parken und mittagessen. Danach schauen wir uns die alten Lokomotiven und Waggons an, die leider mittlerweile allesamt von Sprayern "verziert" wurden.


Der alte Bahnhof von Kalamata ist heute ein Eisenbahnmuseum

Wenn ich groß bin, werde ich Lokomotivführer
Gegen Ende unserer Besichtigung ziehen wieder schwarze Wolken auf, und wir fahren weiter, nach Osten aus der Stadt auf die Halbinsel Mani. Das Wetter ist sehr unsicher, dennoch entschließen wir uns, die Schlucht oberhalb von Kambos zu besuchen. Leider haben wir keine genaue Wegbeschreibung und Entfernungsangabe. Wir finden das Dorf oberhalb der Schlucht; als wir gerade den Rucksack packen, kommen uns zwei Wanderer entgegen, die uns empfehlen, die Schotterstraße noch ein Stück weiter zu fahren, und dann den schönsten und spektakulärsten Teil der Schlucht zu besichtigen.

 

Die folgende Wanderung wird - trotz leichtem Nieselregen, der uns zeitweise begleitet - ein absolutes Highlight. Abgesehen von der überwältigenden Landschaft finden wir eine Herde von jungen Ziegen in einem Gatter am Hinweg und eine Kuhherde am Rückweg. Die Schlucht selbst ist an der engsten Stelle kaum zwei Meter breit, an mehreren Stellen tropft Wasser herunter, die Steinformationen sind bunt und sehenswert, und im Wasser tummeln sich Kaulquappen.

Wandertip Schlucht bei Kentro:
Man fährt von Kambos ostwärts in die Berge hinauf Richtung Kentro. Nach vielen Kehren umrundet man einen Hügel, auf dem eine kleine Kirche steht, und kommt zu einer Abzweigung, bei der man sich links in den Ort hinauf hält.
Mitten auf dem Dorfplatz gibt es einen Wegweiser zur Schlucht, der einen durch eine enge Gasse (um dort hineinzufahren, muß man unter Umständen reversieren, wenn man die Kurve nicht gleich richtig anfährt) weiter bergauf schickt. Man folgt der Straße, bis man zu einer Kehre kommt, von wo aus man ein kleines Kloster auf einem Sattel sieht.
Von hier aus könnte man in die Schlucht hinabsteigen und die gesamte Länge der Schlucht gehen, allerdings wäre dies eine gut vier- bis fünfstündige Wanderung. Wer es kürzer haben will, folgt der Schotterstraße, sich immer links entlang der Schlucht haltend. An einem Umkehrplatz steht ein kaum mehr leserliches Schild; hier wird der Schotterweg deutlich schlechter und wäre nur noch mit Geländewagen oder Enduromaschinen zu fahren.
Ab hier geht es also zu Fuß auf dem alten Saumweg weiter, bis man zu einer Brücke über die Schlucht gelangt. Nach links über die Brücke kann man weiter zu einem verlassenen Dorf wandern, geradeaus geht es entlang eines Wasserrohres hinunter auf den Schluchtgrund. Der Weg weiter nach Osten ist hübsch, aber nicht wirklich aufregend (hier weitet sich die Schlucht), wendet man sich jedoch 180° zurück nach Westen (die Schlucht abwärts), kommt man rasch in den schönsten und engsten Teil der Klamm, die hier zeitweise kaum zwei Meter breit ist.
Der Rückweg führt über die gleiche Strecke, die leicht zu finden ist.
Wenn man von Kentro Richtung Süden weiterfahren will, kann man vom Ortszentrum kommend bei der im ersten Absatz erwähnten Abzweigung die andere Richtung (von hier aus gesehen nicht der Kehre folgend rechts, sondern in der Kehre nach links leicht bergauf wegführend) nehmen. Diese Straße ist mittlerweile ebenfalls durchgehend asphaltiert und führt einen schließlich bei Kardamili wieder auf die Küstenstraße.

Als wir zum Auto zurückkommen, plaudert unser Kleiner vor sich hin und bemüht seinen gesamten Wortschatz, um das Gesehene zu verarbeiten. Wir aber fahren auf der nach Süden von Kentro nach Kardamili führenden Straße (auf unserer Karte noch als Schotterstraße eingezeichnet, aber mittlerweise asphaltiert) zurück, auf der Suche nach einem Schlafplatz. Leider kann man in eine sehr schöne Bucht nicht mit dem Auto zufahren. In Agios Nikolaos sind uns zu viele Touristen, außerdem reizt es uns wenig, uns neben drei weitere Wohnmobile auf einen drei Meter breiten Streifen zwischen Straße und Strandpromenade zu stellen. In der Bucht von Limeni, kurz vor Areopolis, finden wir an der Uferstraße abseits des Ortes einen ruhigen Schlafplatz.

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