Venedig-Runde 2002: Slowenien.

11.Tag (Freitag, 2.8.2002) - km. 92530


Rabac wirkt auf uns nicht wirklich sehr einladend: Im Gegensatz zu Umag, wo man offensichtlich mit der Zeit gegangen ist und die Einrichtungen am Campingplatz westeuropäischen Standard haben, scheint hier die Zeit in den Achtzigerjahren stehengeblieben zu sein: Eine Rezeption, die irgendwo in der DDR stehen könnte, Ostblock-Waschräume, die dreimal am Tag mit dem Gartenschlauch "gereinigt" werden, kein Supermarkt, keine Infrastruktur. Auch der Strand ist nicht sonderlich einladend. Wir packen zusammen und parken außerhalb des Campingplatzes, um noch einen kleinen Spaziergang zu machen:

Im Tal des Baches, der direkt beim Campingplatz ins Meer mündet, habe ich nämlich vor vielen Jahren, als ich als Kind hier auf Urlaub war, ein landschaftliches Kleinod entdeckt: Eine wildromatische Schlucht mit Wasserfällen und kleinen Seen inmitten der Felsen. Ich möchte nicht nur nachsehen, ob dieses Stück Natur noch in seiner Schönheit erhalten ist, sondern es auch meiner Frau zeigen. Und ich werde nicht enttäuscht! Auch Martin ist von den Wasserfällen und Bächen begeistert, und Sweep geht sowieso in jedem Tümpel gleich schwimmen.

Nach der Rückkehr zum Bus essen wir in einem schattigen Hain zu Mittag und fahren dann entlang der Küste nach Norden Richtung Rijeka. Die alte Küstenstraße, Teil der Jadranska Magistrala, bietet immer wieder schöne Ausblicke von hoch über dem Wasser und kleine Ortschaften mit Villen und Hotels auf der K&K-Zeit.

Bei Opatija verlassen wir die Küste und gelangen nach kurzer Zeit zur slowenischen Grenze, vor der wir noch einmal die günstigeren Spritpreise in Kroatien ausnützen und volltanken. Dann fahren wir weiter bis Postojna, wo wir bei einem großen Interspar-Markt Zwischenstop machen. Dann geht es weiter nach Predjama, wo wir heute Nachmittag noch die Burg besichtigen wollen.

Predjamski Grad, die Burg des Raubritters Erasmus Luegger, ist eine beeindruckende Anlage, die für den Besuch durch Touristen ausgezeichnet restauriert wurde. Leider ist es schon recht spät am Nachmittag, und die Burg schließt in einer Dreiviertelstunde. Wir hätten uns gewünscht, etwas mehr Zeit für die Besichtigung zu haben.

Auf diesem Bild sieht man noch deutlicher, daß das Schloß Predjama direkt in eine Höhle unter der überhängenden Felswand hineingebaut wurde. Das Foto wurde vom Eingang einer Höhle unter dem Schloß aus gemacht, die angeblich quer durch den Berg in den nächsten Ort führt - ein Höhlenlabyrinth, das von dem Raubritter seinerzeit immer wieder für Beutezüge und zur Flucht genutzt wurde.

Nach einem kurzen Abstecher über ein paar schöne Schotterstraßen, auf der Suche nach einem auf der Karte falsch eingezeichneten Campingplatz, gelangen wir schließlich in einem großen Bogen zurück zum Campingplatz Pivka Jama - was uns am nächsten Tag noch als glückliche Fügung erscheinen wird.

12.Tag (Samstag, 3.8.2002) - km. 92723


Heute ist Martins erster Geburtstag!

Eigentlich wären wir an der Höhle "Pivka Jama" ja fast vorbeigefahren. Dabei hätten wir wirklich etwas versäumt, gehört diese Höhle doch zu den schönsten, die wir je besichtigt haben. Vielleicht nicht ganz so spektakulär wie die wenige Kilometer entfernt gelegene Höhle von Postojna, aber dafür auch nicht annähernd so überlaufen.

Als ich vor dem Frühstück zur Rezeption gehe, um nach der Höhle zu fragen, fällt mir ein riesiges, kraterförmiges Loch mitten am Campingplatz auf. Das wird doch nicht... - In der Tat; der Eingang zur Höhle führt in einen gewaltigen Karstschlund hinab, an dessen Grund ein Fluß dahinfließt. Wir schließen uns einer Führung an.

Ein Stück weiter machen wir am Straßenrand Mittagsrast, um gleichzeitig Martins Geburtstag zu feiern. Natürlich werden wir zuhause noch "nachfeiern", ein Geburtstagsgeschenk - eine Holzeisenbahn - haben wir aber doch in den Urlaub mitgenommen.

Eine weitere, hochinteressante Besichtigung steht heute noch auf dem Programm: Das ehemalige Partisanen-Hospital Franja.

Schließlich suchen wir in Bohinjska Bistrica den Campingplatz auf, da "Wildcampen" im touristisch sehr stark erschlossenen Wocheinertal wohl eher nicht in Frage kommt.

13.Tag (Sonntag, 4.8.2002) - km. 92834


Wir machen einen Abstecher ans Ende des Wocheinertales, wo wir eine Wanderung zum Wasserfall Slap Savica machen wollen. Etwas verärgert sind wir dann über die horrenden Parkgebühren auf dem Parkplatz am Ende des Tales, zu dem es keine Alternative gibt - entlang der gesamten Zufahrtsstraße stehen Halteverbotstafeln mit dem Zusatz, daß hier unerbittlich abgeschleppt wird. Das wollen wir lieber doch nicht riskieren und beißen in den sauren Apfel.

In der Erwartung, nun bereits unseren finanziellen Beitrag zur Erhaltung des Naturparkes, in dem der Wasserfall liegt, geleistet zu haben, brechen wir auf und sind doppelt verärgert, als am Beginn des Weges zum Wasserfall gleich nochmal Eintrittsgeld kassiert wird. Also: Entweder zurück zum Auto, weiterfahren und über die bereits bezahlte Parkgebühr ärgern, oder nochmals berappen. Raubrittermethoden! Zähneknirschend zahlen wir nochmal, Sweep muß an die Leine und in einer Kolonne von Halbschuhtouristen steigen wir zum Wasserfall hinauf.

Der ist zwar in der Tat beeindruckend, aber die Unmengen an Touristen, überall aufgestellten Verbotsschilder und die vielen anderen Hundebesitzer, deren Lieblinge sich mit Sweep nicht unbedingt vertragen, lassen diese Wanderung eher stressig statt erholsam werden.

Zurück beim Auto wählen wir eine Nebenstraße, die uns statt durchs Wocheinertal über die Berge am Rande des Triglav-Nationalparks zurück ins Tal der Save führt. Zwischendurch machen wir einen Fotostop in Bled, dann fahren wir - die Hauptstraßen meidend - Richtung Loiblpaß weiter.

Irgendwann verirre ich mich bei einer unübersichtlichen Ortsdurchfahrt und gelange auf eine blind endende Zufahrtsstraße ohne Umkehrmöglichkeit. Also im Rückwärtsgang zurück... - leider übersehe ich dabei einen kleinen Wiesenbach, der vom hohen Gras überwachsen praktisch unsichtbar ist, und schon steckt der Bulli mit dem linken Hinterrad fest! Auch das Auspuffrohr hat einen Riß bekommen, aber das ist im Augenblick meine geringste Sorge.

Nach ungefähr einer Viertelstunde vergeblichen Versuchen, selbst wieder flott zu kommen, bietet sich ein hilfsbereiter Einheimischer an, seinen Traktor zu holen, um den Bus aus dem Schlamassel zu ziehen. Und mit tatkräftiger Hilfe seiner Nachbarn und Freunde schaffen wir es, daß der Bus nach kurzer Zeit wieder festen Boden unter allen vier Rädern hat.

Das Erlebnis hat uns nach den eher negativen Eindrücken beim Savica-Wasserfall wieder versöhnt, und in der Abenddämmerung rollen wir durch die grandiose Bergkulisse der Karawanken über den Loiblpaß nordwärts Richtung Klagenfurt, wo wir uns bald an einer Nebenstraße einen ruhigen Schlafplatz suchen.


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