Venedig-Runde 2002: Anreise zum Bullitreffen.


Die schönsten Schlafplätze findet man nur durch Zufall.
(Juli 2002, im oberen Halltal nahe Terz, Steiermark)

Als wir im Frühjahr 2002 unseren ersten gemeinsamen Urlaub mit Kind (Martin war noch nicht ganz ein Jahr alt) und Hund planten, waren wir noch nicht sicher, was da alles auf uns zukommen würde. Alles war neu für uns: Die Einrichtung des Bullis war eben erst fertig geworden, und für Romy und mich war ein Urlaub mit Baby und Hund im Bulli natürlich eine völlig neue Erfahrung: Auch wenn ich schon oft davor mit dem Campingbus verreist war, so stellten Kind und Hund doch ganz neue Ansprüche. Romy war überhaupt noch nie per Bulli verreist, sondern mit dem Rucksack durch alle Erdteile gereist. Aus all diesen Gründen trauten wir uns auch noch nicht an eine sehr weite Reise heran.

Nachdem ich in diesem Jahr endlich auch einmal beim Großglockner-Treffen für VW-Bullis teilnehmen wollte, beschlossen wir, eine kleine, zweiwöchige Rundreise zu planen, die uns zunächst über Steiermark und Salzburg nach , Osttirol führen sollte, wo wir am Wochenende in Kals beim Bulli-Treffen vorbeischauen wollten. Anschließend sollte es durch die Dolomiten und Venezien nach Cavallino bei Venedig gehen, wo wir Martin zum ersten Mal in seinem Leben einen Aufenthalt am Sandstrand ermöglichen wollten. Dann wollten wir gemütlich über Istrien (mit einem weiteren Badestop), Slowenien und Kärnten wieder zurück nach Wien gondeln.

Ich will schon jetzt vorwegnehmen, daß die Reise mit kleinen Pannen im Großen und Ganzen so verlief, wie wir es erhofft hatten. Sowohl der große "Bulli-Koller" (2 Erwachsene, ein Kind und ein Hund 16 Tage auf engstem Raum in einem Bus) blieb aus, als auch größere Katastrophen. Lediglich das Wetter ließ, vor allem in Österreich, sehr zu wünschen übrig, sodaß viele Programmpunkte, die wir für An- und Rückreise geplant hatten, im wahrsten Sinn des Wortes "ins Wasser fielen".

1.Tag (Dienstag, 23.7.2002) - km. 91303

Wir haben beschlossen, unter der Woche wegzufahren und uns für die Anreise nach Kals am Großglockner viel Zeit zu lassen. Es mag ja die Leute geben, die so eine Strecke an einem Tag durchradeln - wir sicher nicht.

Nach dem obligatorischen Mittagessen bei meiner Mutter verlassen wir Wien. Es herrscht wenig Verkehr, wir kommen gut voran. Wenige hundert Meter hinter der Stadtgrenze gibt unser Autoradio - noch ein gutes, altes Stück mit Cassettenrecorder, das in den serienmäßigen Einbauschacht des alten Bullis paßt - den Geist auf. Na ja, nach 25 Jahren ist die Garantie wohl schon abgelaufen. Wir werden für den Rest der Fahrt ohne auskommen müssen. Dafür kommen wir dazu, mehr miteinander zu reden.

Die Fahrt geht über Hainfeld und Kleinzell zur "Kalten Kuchl", wo wir eine Pause einlegen. Wir machen eine kleine Wanderung am Ochsattel und besichtigen schließlich das kleine, aber mit viel Liebe zum Detail gestaltete Freilicht-Holzknechtmuseum.

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Mir san die lustigen Holzhackerbuam...

Schließlich fahren wir noch ein paar Kilometer weiter, auf der Suche nach einem schönen Schlafplatz. Über St.Aegyd am Neuwalde und Kernhof geht es über das Gschaid hinunter nach Terz. Hier verlassen wir Österreich... na fast. Zumindest könnte man beim "Gasthof zur Österreichischen Grenze" daran glauben. Der auf der anderen Seite der Mürz gelegene "Gasthof zur Steirischen Grenze" existiert zwar nicht mehr, wohl aber die Aufschrift auf dem Gebäude. Stammen diese beiden Wirtshäuser wirklich noch aus der Zeit, als Österreich und das Erzherzogtum Steiermark eigene Länder waren?

Ein Stück weiter, im oberen Halltal, finden wir direkt neben einem Wasserfall einen sehr schönen Schlafplatz. Hier ist es ruhig und romantisch zugleich, ein kleiner Brunnen spendet Wasser und sogar ein WC gibt es. Solche Plätze findet man eben nur durch Zufall.

2.Tag (Mittwoch, 24.7.2002) - km . 91442

Die erste Nacht im Bulli war sehr angenehm. Martin hat wie ein Engelchen durchgeschlafen. In der Früh setzt er sich auf und schiebt neugierig die Vorhänge beiseite. Alles ist für ihn sehr aufregend. Nur das Wetter ist nicht so, wie man es sich für Ende Juli erwartet. Draußen ist es so kühl, daß während des Frühstücks die Scheiben beschlagen.


Im Bulli schmeckt das Frühstück gleich doppelt gut...

Nach einem kurzen Zwischenstop in Mariazell - wir brauchen neue Batterien für die Kamera - fahren wir weiter durchs Salzatal über Wildalpen. Bei einem kleinen Parkplatz, der hauptsächlich von Wildwasserkanuten frequentiert wird, machen wir Mittagsrast und eine kleine Wanderung durch ein wildes, von schroffen Felsen gesäumtes Tal am Fuße des Hochschwab. Während der Wanderung beginnt es leicht zu regnen, sodaß wir umkehren und weiterfahren.

Der mittlerweile strömende Regen begleitet uns, als wir über Hieflau und durchs Gesäuse nach Admont weiterfahren. Schade - von der grandiosen Landschaft bekommen wir leider nur sehr wenig mit. Zwischen Hieflau und Gstatterboden wird an einer Lawinengalerie gebaut, wir müssen eine Viertelstunde warten. Dabei verläuft hier sowieso schon ein großer Teil der Straße in Tunnels und Galerien. Wenn die Bannwälder weiter sterben und sich die Felsrutsche und Lawinen weiter häufen, wird man von der Straße aus bald nichts mehr von den Schönheiten dieser Schlucht sehen. Ewig schade!

Unterwegs im Ennstal hört der Regen dann doch noch einmal kurzfristig auf, und wir ergreifen die Gelegnehieit, die "nächstbeste Sehenswürdigkeit" zu besichtigen - die Burgruine Wolkenstein in Wörschach, von der aus man einen schönen Ausblick übers Ennstal hat. Eine ebenfalls geplante Besichtigung der Wörschachklamm wird jedoch vom wieder aufziehenden Regen vereitelt.


Die Ruine der Burg Wolkenstein liegen hoch über dem Ennstal

In Stainach tanken wir noch einmal, und als wir weiterfahren, regnet es sich endgültig ein. Im strömenden Regen legen wir die Strecke Ennsaufwärts zurück und landen schließlich in St. Johann im Pongau auf dem Campingplatz Wieshof. Beim Rangieren übersehe ich einen große Steinbrocken, der als Begrenzungsstein herumliegt, und verbeule mir damit den rechten Schweller. So teuer haben wir noch nie übernachtet...

3.Tag (Donnerstag, 25.7.2002) - km. 91664

In der Früh wird nochmals im strömenden Regen der Wassertank aufgefüllt, dann geht es ohne Frühstück weiter entlang der Salzach bis Mittersil. Erst kurz dahinter, am ersten Parkplatz der Felbertauernstraße, machen wir Frühstückspause. Mehrere Bullis rollen auf dem Weg zum Großglocknertreffen an uns vorbei.

Wir sind wegen des Wetters ziemlich frustriert und überlegen uns schon, ob wir nicht auf das Bulli-Treffen verzichten und gleich ins sonnige Italien weiterfahren sollen. Aber als wir den Felbertauerntunnel passiert haben, gibt es eine positive Überraschung: Das Wetter präsentiert sich freundlicher, sogar die Sonne kommt ein paarmal durch und der Regen scheint von den Nordhängen der Hohen Tauern abgehalten zu werden.


In Virgen liegt die höchstgelegene Burgruine Österreichs

Wir nützen dies aus und machen, anstatt direkt nach Kals zu fahren, einen Abstecher ins Virgental, wo wir bei Hinterbichl die Umbal-Wasserfälle besichtigen. Abgesehen davon, daß hier überall Kühe in der Landschaft herumstehen, mit denen unser Hund einen gewissen Autoritätskonflikt hat, ist die Wanderung sehr lohnend.

Am Rückweg besuchen wir auch noch die Burgruine Rabenstein bei Virgen, die malerisch über dem Ort liegt und bei der es sich laut Burgenführer um die höchstgelegenste Österreichs handelt.

Dann fahren wir zurück nach Matrei, Richtung Kals, und finden wenige Kilometer vor dem Ort einen kleinen Platz am Straßenrand, wo wir uns für die Nacht einparken. In 1300m Höhe wird es in dieser Nacht schon ziemlich kühl, aber immerhin regnet es heute nicht. Von der Duftnote "Nasser Hund" haben wir mittlerweile schon ziemlich die Nase voll.

4.Tag (Freitag, 26.7.2002) - km. 91815

Heute stehen nur wenige Kilometer auf dem Programm: Wir fahren durch Kals hindurch, wo sich schon die ersten Bullis versammeln. Aber bis zum offiziellen Treffpunkt ist ja noch Zeit - so ganz verstehen wir es nicht, daß es Leute gibt, die den Vormittag mit Herumstehen im Ort verbringen, wo die Landschaft rundherum doch zu Wanderungen und Spaziergängen einlädt!

Wir fahren die Bergstraße zur Moaalm hinauf, wo wir in 1820m Höhe parken und eine kurze Wanderung Richtung Dorfertal machen. Immer wieder sieht man von hier aus hinunter in die enge Daberklamm. Der Weg würde uns jedoch steil bergab führen außerdem erscheint uns eine Wanderung durch die Klamm lohnender, sodaß wir beschließen, zum Auto zurückzukehren und wieder hinab zum unteren Ende der Klamm zu fahren.


Der Weg durch die Daberklamm ist direkt in die Felswände gehauen

Die Entscheidung war sicher kein Fehler; wir gehen auf dem Fahrweg bergauf in die Klamm hinein. Schließlich verschwindet die Straße in einem unbeleuchteten Naturtunnel, während der Fußweg, in die Felswände hineingehauen, hoch über dem Wasser durch die Schlucht führt. Am oberen Ende der Klamm, wo sich die Berghänge zum Dorfertal hin weiten, machen wir kehrt und benutzen für den Rückweg die Straße durch den Tunnel. Lampe haben wir zwar keine mit, aber auf dem kurzen Stück, wo man weder vom einen noch vom anderen Ende des Tunnels Licht erkennen kann, hilft uns die Infrarot-Funktion der Videokamera weiter.


Am Parkplatz im Ortszentrum von Kals versammeln sich die Bullis

Nach einem Mittagsimbiß fahren wir jetzt nach Kals, wo auf einer Wiese im Ort bereits über 100 Bullis versammelt sind. Leider hat auch bei den Veranstaltern des Treffens die Geldgier gesiegt: Statt des erwarteten Events für Bullis bis Baujahr 1967 findet sich hier ein kunterbuntes Gemisch von Bussen aller Baujahre, wobei die Fahrer der neueren Modelle selbst das Feingefühl vermissen lassen, sich nicht mitten unter die "alten" Busse zu stellen, für die das Treffen eigentlich gedacht ist. So ist es - siehe oben - nicht möglich, irgendwo ein Fotomotiv zu finden, auf dem nicht der eine oder andere T2, T3, T4 oder gar LT stört.


Beim Lucknerhaus in 2100m Höhe bleiben nur wenige über Nacht.

Auch bei der Auffahrt zum Lucknerhaus das gleiche Chaos: Organisation gibt es scheinbar keine, zumindest achtet niemand darauf, daß - wie man es sich erwarten würde - nach einer ordentlichen Startaufstellung zunächst einmal die ältesten, langsamsten Busse bergauf fahren, gefolgt von den 44-PS-Bussen, und daß sich die Fahrer neuerer Modelle doch bitte hinten anreihen mögen. So ist der Versuch, ein Video vom Konvoi zu machen, eher frustrierend, da die Kolonne immer wieder abreißt, große Lücken klaffen und nicht nur moderne Busse, sondern auch PKWs, die nicht zum Treffen gehören, mitten drinnen mitfahren.

Bei dem Preis hätte man sich schon etwas bessere Organisation erwarten können. Am Parkplatz des Lucknerhauses angekommen gibt es die nächste Enttäuschung: Nicht hier oben soll übernachtet werden, sondern nach kurzem Stop soll das Abendprogramm wieder im Ort stattfinden.

Nur ein paar wackere Mitglieder des VW-BULLI-Clubs aus Wien entschließen sich, hier oben eine kleine Wagenburg zu bauen und zu übernachten. Wir aber haben genug und verziehen uns von dem Treffen hinunter zu dem Parkplatz, wo wir die letzte Nacht verbracht haben.

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